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„S’ Leba isch koi Schlotzer“

Foto: Walter Laible Foto: Walter Laible

Legende Nachtcafé - Ein Abend mit Wieland Backes, großen Namen und einem kleinen neuen Zitatenbuch.


„Köpfe der Zeit“ heißt eine Gesprächsreihe von Wieland Backes, in der es um - na klar was sonst, um Zeitgenossen von heute geht. Er selbst gehört auch dazu. Ein überaus überzeugendes Porträt des erfolgreichen Moderators wurde seinem Publikum im Bürgersaal in Böbingen präsentiert. Fragen seines Stichwortgebers Martin Hoffmann ließen Lebensgeschichte und beruflichen Weg im Zweiergespräch Revue passieren.


Das Nachwuchstalent im Moderatorengeschäft Hoffmann ging durch die Moderatorenschule von Backes, zu deren Gründung er 2009 den Anstoß gegeben hatte. Ausbildung und Förderung guter Moderatoren ist ihm eine Herzensangelegenheit. Fast 30 Jahre hat Backes seine journalistische Unterhaltungssendung „Nachtcafé“ aus Schloß Favorite in Ludwigsburg mit spannenden Themen und einer manchmal explosiven Gästemischung aus Promis und „Normalsterblichen“ moderiert. Ihm gelang die Gratwanderung zwischen Neugier und interessierten Nachfragen, ohne die Peinlichkeit, dass sich seine Gäste hinterher bloßgestellt gefühlt hätten. Zu seinem Markenzeichen gehörte von Anfang an, dass er jeden seiner Gäste respektvoll, auf Augenhöhe und gleich behandelt hat.


Das Böbinger Publikum durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die bescheidenen Anfänge der späteren journalistischen Aushängeschildes in der Rückschau miterleben und das Medienecho auf die kleinen Skandale nachvollziehen. Amüsiert lauschte Backes Auditorium, wie das Thema Adel in „Blaues Blut und Prinzenrolle“ mit dem Herzog von Württemberg, Jutta Ditfurth und dem adoptierten Prinz Frédéric, alias Hans Robert Lichtenberg, nach allen Regeln der Kunst ausgeleuchtet worden war.
Vor 14 Monaten moderierte Backes seine letzte Sendung „Happy end“. Für ihn sei der richtige Zeitpunkt zum Aufhören wichtig. Die Sendung selbst hat er als Geschenk erlebt, das allerdings mit viel Arbeit verbunden war. „Jetzt habe ich ein klein wenig mehr Freizeit“, bekennt er. Das Loslassen ist nicht einfach. Ihm ist es offenbar geglückt. Er freut sich, dass sein Baby in Michael Steinbrecher einen guten Nachfolger gefunden hat. Das Zitat, das er für sein letztes Nachtcafé ausgesucht hat, stammt von Arthur Schnitzler und wurde dann in der emotional bewegten Schlussrunde vergessen. Es sei hier nachgeschoben: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lang auf ihn freut.“
Ein neues Betätigungsfeld hat Backes bei der Schauspielerei gefunden. Kleine Nebenrollen, z.B. der Pförtner in der Satire von Oliver Storz  „Der Sheriff von Linsenbach“ machen ihm „höllisches Vergnügen“. Wer Backes in einer anderen Rolle erleben will, kann das bei der Württembergischen Landesbühne tun. Auch eine Off-Stimme, die des Hundes nämlich gehört ihm. Im Schauspielerteam war niemand, der so gut bellen konnte. Übrigens bekam er keinen Prominentenbonus bei der Landesbühne als gestandener Journalist. Nein, er musste vorsprechen. Die Intendantin wollte ihn sich erst mal persönlich ansehen.


Apropos Zitate. Backes liebt diese „kleinste literarische Form“. Er hat inzwischen eine zweite Zitatesammlung herausgebracht, für den Alltag, zu vielen Anlässen. Kostproben davon wurden mit Heiterkeit aufgenommen. Dabei fanden die Zitate eher zufällig ihren Weg in die Talkshow. Es begann mit einem Albert Schweitzer Aphorismus: „Das Glück ist nur vollendet, wenn man es teilt“. Das fand beim Nachtcafé-Publikum solchen Zuspruch, dass er mithilfe seiner Redaktion passend zum Thema ein Zitat bringen musste. Witzig und auf den Punkt gebracht, muss es keineswegs der Ernsthaftigkeit entbehren.


Angefangen hat er sein Berufsleben hinter der Kamera. Als Schüler hat er seinen ersten Videofilm „Die letzte Zigarette“, eine pubertäre kleine Liebesgeschichte gedreht, die dann in der Schule vorgeführt wurde. Eigentlich sollte das rumäniendeutsche Flüchtlingskind Lehrer werden wie seine Eltern. Er studierte dann Chemie und Geographie für das Schulfach. Hat dann für seine Promotionsarbeit eine filmische Dokumentation über die Stadtplanung in der Region Stuttgart vorgelegt, „Ausverkauf einer Region“, eine SDR-Produktion. Dafür hat er sich als Praktikant beim Rundfunk/Fernsehen das Handwerkszeug angeeignet. So zog ihn der Film und das Fernsehen ganz sachte zu dem hinüber, was er im Grunde seines Herzens wollte, sich aber nicht wirklich getraute und dann doch mit verdeckter Zielstrebigkeit anging. Zuhause in seinem hohenlohischen Dorf wurde hochdeutsch gesprochen. Seine Brüder zogen den kleinen Wieland später noch damit auf, wie er hinter dem Ofen schwäbisch geübt hat, „woisch, kahsch…“ Wie es das Schicksal so will, war sein Schwäbisch mit der Türöffner für seine kleinen Schauspielrollen beim Württembergischen Landestheater. „S’ Leba isch koi Schlotzer“, könnte man Bilanz ziehen, aber mit Arbeit und Leidenschaft lässt sich was draus machen.

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