Tanz der Bögen und Tasten Empfehlung

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Ein Quartett mit dem Sound eines Kammerorchesters. Ein Quartett mit dem Sound eines Kammerorchesters. Foto: Gerd Keydell

Was soll man über dieses berauschende Tanzfest der Bögen und Tasten mit dem „Notos Quartett“ noch schreiben. Superlative aneinanderreihen? Geschenkt.

   Sein Konzert Donnerstagabend auf Schloss Kapfenburg war in jeder Hinsicht fürstlich. In Geschmack, Noblesse, Klangkultur und selbstbewusster Demut, mit der es sich als verlängerter Arm der Komponisten versteht.

   Das heißt? Es vermittelt mit glasklarer Konzentration das Wesen des Klavierquartetts und seine mit Mozarts munterem Es-Dur-Geniestreich beginnende Genese. Man muss sich gar nicht um zwanghafte Deutung bemühen, um im Larghetto eine Inspiration für Schuberts „Forellenquintett“ zu vernehmen. Was die Pianistin Antonia Köster an Tonkaskaden und Akkorden ihrem wohltemperierten Flügel entlockt, schmeckt in den Ohren wie die Springforelle mit Mandelkernsoße, die Janoschs kleiner Tiger so liebt. Dieser muss sich mit der Bouillon begnügen, die ihm der kleine Bär kocht; der Violinist Aindri Lederer, Andrea Burger auf der Viola und Philip Graham mit dem Cello kredenzen zusammen mit ihrer Kollegin ein Drei-Sterne-Menu, um im Bilde zu bleiben. 

   Robert Schumanns zu himmlischer Musik gewordene Liebeserklärung an seine Frau Clara, geb. Wiek., sein Quartett in Es-Dur, interpretieren die Notos-Musici mit einem Herz voller Liebe. Immerhin hat sie dieses Werk einst zusammengeführt, wie der Cellist verrät. Aus dem Gleichklang der Seelen in einem Unsisonogesang von Klavier und Cello fächert das Ensemble ganz selbstverständlich ein bestechendes polyphones Panorama auf. Wobei dieser unvergleichliche sonore Grundton in seiner schlanken Fülle als unaufgeregter Atem von der hervorragenden Akustik bis in die letzte Reihe des Trude Eipperle Rieger-Konzertsaals getragen wird. Und dort als Eindruck eines veritablen Kammerorchesters ankommt.

   Nach der Pause bringt das Ensemble mit Béla Bartóks Klavierquartett in c-Moll eine echte Ausgrabung zu Gehör. Sie findet man selbst in einschlägigen Werken noch nicht. Dieses Jugendwerk fasziniert mit einem Klangfarben- und rhythmischem Reichtum, den man als phänomenale klassische Weltmusik erlebt. Dafür standen etliche Tonschöpfer im Umfeld des Ungarn und in seiner musikalischen Ahnengalerie Pate. Verklinge nicht, du bist so schön.

   Für den enthusiastischen Applaus bedankt sich das trotz aller Perfektion so sympathisch-authetische Quartett mit einem beseelt harmonischen Prélude des jungen Schostakowitsch.

 

Wolfgang Nußbaumer   

      

  

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