Die Raum- als Welterfahrung Empfehlung

Bunt ist das muntere Treiben der jungen Künstlerinnen und Künstler im Schloss Untergröningen. Bunt ist das muntere Treiben der jungen Künstlerinnen und Künstler im Schloss Untergröningen. Fotos: -uss

Sind sie die neuen “Jungen Wilden“, oder die „Stars von morgen“?

   Eines sind die 18 jungen Kreativen der jetzt auf Schloss Untergröningen eröffneten Ausstellung „aufgeSCHLOSSen“ in jedem Fall – einen langen Besuch und einen intensiven Blick wert.

   So breit die Vielfalt der Stile und Techniken, so lohnend die kritische Auseinandersetzung mit ihnen. „Spannende Positionen“ erkennt die Kuratorin Heidi Hahn mit ironischem Unterton vor den zahlreichen Gästen in der Eingangshalle. Sie verweist damit auf einen Kunstmarkt, der in immer kürzeren Abständen eine neue Kunstsau durch die angesagten Messen und Galerien treibt. Doch muss die Kunst dem digitalen Zeitgeist folgen, dessen Lieblingsspielplatz – allzu oft - die Oberfläche ist? Dazu sagt die zweite Vorsitzende des Kunstvereins KISS (Kunst im Schloss Untergröningen) entschieden „nein“. Mehr noch, sie postuliert als Aufgabe der Kunst, diesen Trend zu entschleunigen. 

   Die aus dem „Musterländle“ stammenden oder zumindest mit ihm verbundenen 18 Kreativen im Alter von 21 ( Leon Löhe) bis nicht mehr ganz jungen 45 Jahren sind überwiegend im Markt angekommen, wie man an ihren Preisen und Auszeichnungen ablesen kann. Sie haben ihre unverkennbare Handschrift entwickelt, ihre künstlerische Identität behauptet.

   Allen Unwägbarkeiten eines irrationalen Marktes, der alles möglich macht und nach allem  Möglichen giert, zum Trotz bleiben sie ihrem Impetus treu. Das verlangt neben der Könnerschaft Leidenschaft, Bescheidenheit, Zähigkeit und in der Regel einen Partner, der mit dazu verdient. Einige der jungen Künstler hatten ihren kaum mal protestierenden Nachwuchs mitgebracht - im Gurt auf dem Bauch. Man kann nicht früh genug mit der Kunst in Kontakt kommen.

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   Jede und jeder entdeckt seine Favoriten. Meine sind die Fundsachen, die Diana Wild, in Ellwangen geboren, auf dem ganzen Globus gesammelt und arrangiert hat. Fotografien, eine Installation aus australisch inspirierten „Einwegurinalen“  mit  hintergründigem formalem Witz – und einen transparenten Kubus aus auf Nylonfäden aufgereihten Wirbelsäulenfragmenten, die sie aus Argentinien mitgebracht hat. Ein Faszinosum, das die Fantasie auf Reisen schickt: Raum- als Welterfahrung. 

   Ein Labyrinth, in dem man sich endlos verlieren möchte, hat Nina Joanna Bergold aus Ludwigsburg mit ihren überdimensionalen „Scherenschnitten“ geschaffen. Sie bieten permanent aus dem Augenblick geborene Licht- und Farbspiele.

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   Der Schorndorfer Jan-Hendrik Pelz bringt mit seinem "Zaubertrank", assistiert von Jonathan Meese, der für jeden okkulten Spaß zu haben ist, die Magie ins Spiel.    

   Wandeln lohnt sich durch die in Farbfülle getauchten Flure und Räume, die in wirkungsvoller Konfrontation zu energiegeladenen Metallarbeiten (Nina Laaf) oder den leisen Wanderskizzen stehen, die Jov T.  Kaisar zu Fuß nach Untergröningen geleitet haben und jetzt durch die Ausstellung führen.

     Zu Beginn hatte KISS-Vorsitzender Martin König die Ausstellung als „klaren Impuls zur Förderung junger Künstler in Baden-Württemberg“ bezeichnet. Seiner Meinung über die dritte KISS-Schau in diesem Jahr darf man sich getrost anschließen: „Diese Ausstellung ist wieder richtig gut geworden.“ 

    Info: Die Ausstellung ist bis 3.11. 2019 Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr, Do, 3.10. und Fr 1.11. 11-17 Uhr geöffnet. Kuratorenführungen So, 6.10., 15 Uhr und Sa.19.10. 16 Uhr. Eintritt 5 €; Informationen und Anmeldung zu Führungen unter info@kiss-untergroeningen.de oder unter 07366/8218

Wolfgang Nußbaumer

              

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