Mit Schaum vor dem Bug Empfehlung

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Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg erweist sich auch bei ihrem Konzert in der Ellwanger Stadtkirche als höchst flexibler Klangkörper. Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg erweist sich auch bei ihrem Konzert in der Ellwanger Stadtkirche als höchst flexibler Klangkörper. Fotos: -uss

Im frühen Herbst hat die Junge Philharmonie Ostwürttemberg unter ihrem Dirigenten Uwe Renz mehr als einen Hauch von Wiener Neujahrskonzert durch die Ellwanger Stadtkirche geblasen.

   Eine äußerst erfrischende Angelegenheit, die das Publikum zu mindestens ebenso brausendem Applaus animiert hat.

   Hatte das Orchester als musikalischer Botschafter des Ostalbkreises wenige Tage zuvor auf seiner Rumänien-Tournee schon viel Beifall erhalten, zeigt es zurück in der Heimat keine Spur von Reisestress. Das Konzert hat sich als das reinste Kontrastprogramm erwiesen. Populär klingen alle Stücke einschließlich des Wiener Melodienbuketts. Doch keineswegs einfach gestrickt. Renz und seine junge Truppe wagen sich mit heiterer Gelassenheit auf schwierigstes Revier.

   Die Ouvertüre des üppig orchestrierten Abends ist zugleich jene zu Richard Wagners tragischer Oper „Der fliegende Holländer“. Die barocke Stadtkirche ist mit ihrer problematischen Akustik zwar keine Elbphilharmonie; was den Kapitän indes nicht daran hindert, mit vollen Segeln durch das Kirchenschiff zu rauschen. Nichts rasselt, alles wogt und die Bugklangwelle zischt über die sofort euphorisierten Zuhörerinnen und Zuhörer hinweg. Die betörend schöne Meditation aus der Oper „Thais“ von Jules Massenet, intoniert die junge Geigerin mit adäquatem bis in höchste Höhen nicht an Fülle verlierendem Ton. Ein Kontrastprogramm an Dynamik und Rhythmen bietet der Danzón No. 2 von Arturo Márquez. In seiner immer wieder aufflammenden Waberlohe wirken die Kastagnetten rührend einsam. Im „March of the Mogul Emperors aus „The Crown of India“ von Edgar Elgar lässt Renz seiner Truppe wieder zu überwältigender Spielfreude die Zügel schießen. Er weiß, dass ihm diese Gäule nicht durchgehen werden.

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Das JPO-Maskottchen, eine Schildkröte, sucht Zuflucht in der Tuba.

 

   Nach der Pause bringt der mit klarer Gestik sein Ensemble auf Kurs haltende Vormann noch den ganzen differenzierten Reiz der Ouvertüre zur „Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) zum Funkeln; kitzelt nicht minder bravourös den Ohrwurm des Intermezzos aus der „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni aus dem mächtigen Klangkörper heraus; haut dem staunenden Publikum das Intermedia aus „La Boda de Luis Alonso“ mit Verve und Präzision um die Ohren, um es für diese wohlige Tortur mit  der klaren Klangschönheit des Interlude aus „The Song“ des Schweden Wilhelm Stenhammer zu versöhnen.

   Mit dem machtvoll von „Hope and Glory“ kündenden Elgar-Marsch „Pomp & Circumstance“ endet das offizielle Programm in einem Beifallsorkan. 

   Info:  Weitere Konzerte der JPO Freitag, 13. September, 20 Uhr, in der ODR-Arena in Böbingen; am 14. September, 20 Uhr, im „Stadtgarten“ Schwäbisch Gmünd und am 15. September, 18 Uhr, in der Stadthalle Aalen.

 

Wolfgang Nußbaumer   

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