Die Musik hat Zukunft

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Uwe Renz, als Dirigent international unterwegs, hat aus der JPO einen stabilen Klangkörper geformt. Uwe Renz, als Dirigent international unterwegs, hat aus der JPO einen stabilen Klangkörper geformt. Fotos: -uss

Oh Brother, wie der in die Tasten haut. Oder ist es eine Triumph-Adler, eine Olivetti oder doch eine IBM?

   Das Programm der Jubiläumsveranstaltung „in situ 20“ auf Schloss Kapfenburg verrät nicht, auf welchem Instrument der als Bürogehilfe mit Schnipp-Schnapp-Hosenträgern gewandete Akademiedirektor Erich W. Hacker „The Typewriter“ von Leroy Anderson interpretiert. Er ist einer der Solisten, die den Auftakt des diesjährigen Festivals mit der unter der Leitung ihres Dirigenten Uwe Renz vorbildlich musizierenden „Jungen Philharmonie Ostwürttemberg“ prägen. 

    „Unsere eigentliche Aufgabe steht beim 20. Festival im Mittelpunkt“, hat Hacker zu Beginn den Gästen zu Beginn der ausverkauften Veranstaltung erklärt: „Junge Künstler und Solisten zu fördern.“ Diesem Anspruch ist die Akademie an diesem warmen Sommerabend voll gerecht geworden. Nachdem das „Süddeutsche Salonorchester“ mit Tanz- und Unterhaltungsmusik der 20er bis 40er Jahre, die allerdings im Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal besser aufgehoben gewesen wäre, den musikalischen Reigen eröffnet hat, wuchtet das imposante Jugendorchester Edgar Elgars Hymnenklassiker „Pomp & Circumstance“ mit Verve in den Schlosshof.

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Marie Humburger und Mona Weingart - ein Duo par excellence. 

     Dann schlägt die Stunde der mit der JPO groß gewordenen Solisten. Startrompeter Maximilian Sutter hat den langem Atem für die Tücken von Jean-Baptiste Arbans „Karneval von Venedig“; Iris Macks Interpretation  von Camille Saint-Saëns „Der Schwan“ mit wärmendem, sonorem Ton auf dem Cello ist zum Glück kein „Schwanengesang“; sonst hätte man auf die mit kraftvollem Temperament gesungene „Habanera“ aus George Bizets „Carmen“ durch die Mezzosopranistin und erste Preisträgerin des Trude Eipperle Rieger-Förderpreises, Barbara R. Grabowski ebenso verzichten müssen wie auf den kapriziösen „Tango pour Claude“ von Richard Galliano, den die Saxophonistin Marie Humburger zusammen mit Mona Weingart auf dem Akkordeon, beide ganz in Weiß auch optisch ein Erlebnis, frei von Melancholie interpretieren.

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Virtuos: Estelle Weber

   Nach einem „Intermezzo“ aus der „Cavalleria Rusticana“ lässt die Geigerin Estelle Weber im populären „Czárdás“ von Vittorio Monti virtuos den Bogen fliegen. So kantabel wie sie die hohe Kantilene noch zum Klingen bringt, lässt alle Gespräche im Publikum verstummen. Das rhythmische Feuerwerk, das der Klöppel-Hexer Dominik Englert mit John Psathas’ „One study one summary“ dann auf dem Marimbaphon abbrennt, ist mehr als nur ein Vorgeschmack auf die Raketensymphonie die der Pyrotechnik-Weltmeister Joachim Berner zu dem furiosen „Time forward“ von Georgi Sviridov in den Nachthimmel schießt – Feuerwerksmusik von Allerbesten. Sie ist das Tüpfelchen auf dem i zu Landrat Klaus Pavels eingangs geäußerter Einschätzung: „Die Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg ist die wichtigste Kultureinrichtung auf der Ostalb.“  

   Info: Für das Konzert mit James Morrison (Support „Frontm3n“) am Sonntag, 28. Juli, 20.30 Uhr, gibt es noch Stehplatz-Tickets. 

 

Wolfgang Nußbaumer 

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