Polyphoner Hexenkessel

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Hoch konzentriert bei ihrer musikalischen Sache - "Quintessence", die Stimmen Georgiens. Hoch konzentriert bei ihrer musikalischen Sache - "Quintessence", die Stimmen Georgiens. Foto: -uss

So jung, so frisch, so fröhlich, so natürlich – so unglaublich.

   Das Sextett mit dem selbstbewussten Namen „Quintessence“ aus Georgien hat dem EKM-Festival in der voll besetzten Augustinuskirche am Sonntag eine weitere Sternstunde beschert. 

    Die drei Sängerinnen und drei Sänger aus Tiflis eröffnen ihr breit gefächertes Programm mit geistlicher Musik aus ihrer Heimat. Das Frauentrio wie ein Engelschor, im Quartett mit dem Bass, das Männertrio und alle zusammen verteilen sie ihre musikalische Visitenkarte. Ob traditionell oder modern zeigen die spektakulären Arrangements bereits, wohin die vom SWR aufgezeichnete musikalische Reise gehen wird. Hinein in einen polyphonen Hexenkessel, aus dem es in allen Klangfarben schillernd brodelt und dampft. 

    Das Sprichwort, wonach viele Köche den Brei verderben, widerlegen die Sopranistin Natia Svanadze, die beiden Altstimmen Natia und Tatiia Okruashvili, der Tenor Saba Chachanidze, der Bariton Giorgi Toradze und der Bass Lasha Murvanidze auf unwiderstehliche Weise. Und sie freuen sich miteinander wie die Schneekönige über den Applaus, der sie nach jedem Stück überflutet. Genau so freundlich gehen sie während des Auftritts miteinander um. Sie sind so wenig professionell in ihrer Körpersprache, wie sie umgekehrt selbst in irrsinnig schnellen Sequenzen präzise zum Niederknien sind, ohne auch nur ein Jota authentisches Musizieren zu opfern.  Fassungslos verfolgt man die an Maschinengewehrfeuer erinnernden Tonsalven der Stakkatovokalise in den von Buka Kartozia komponierten „Tales of War“

     Ihr Programm haben sie kurzerhand umgestellt. Auf die schon erwähnten geistlichen Lieder folgt Fusion aus Jazz und Folk; nach einer kurzen Pause dann Jazz pur. „The Manhattan Transfer“ hätte den Hut vor ihnen gezogen.  Allein das Standard „How high the Moon“ und der „Java Jive“ kommen dem Original einigermaßen nahe; alle andern wie das Bebop-Stück „Airegin“ (Nigeria) des Saxophonisten Sonny Rollins sind in den irrwitzigen  Bearbeitungen von Buka Kartozia vom Mainstream so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Ohne zwei Zugaben lässt das Auditorium, das völlig hin und weg ist, dieses georgische Nonplusultra nicht gehen.

Wolfgang Nußbaumer

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