Musikalische Perlenkette Empfehlung

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Starker Auftritt - der Aalener Kammerchor unter Thomas Baur im evangelischen Gemeindehaus. Starker Auftritt - der Aalener Kammerchor unter Thomas Baur im evangelischen Gemeindehaus. Foto: -uss

Vom frühen Barock bis in die Gegenwart hat Thomas Baur in der Musikliteratur gestöbert.

   Das Ergebnis seiner Schürfarbeit war ein vielfältiger Streifzug durch fünf Jahrhunderte Musikgeschichte, der dem Aalener Kammerchor und seiem sachkundiges Publikum im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus am Sonntag spürbar Freude bereitet hat. Von Monteverdi bis zum zeitgenössischen US-amerikanischen Komponisten Eric Whitacre hat Baur seine Fundstücke zu einer musikalischen Perlenkette aufgefädelt.

   Doch vor den alten Italiener und Carl Orff hat der Kammerchor das 18. Shakespeare-Sonett „Shall I compare thee to a summer's day?“ (Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?) gesetzt; ausdrucksstark rezitiert von Adelinde Pfitzner. Die Sängerin aus dem Alt hat auch durch das Programm geführt, mit dem der Chor tags zuvor bereits im Speratushaus in Ellwangen aufgetreten war.

   Die Lyrik des großen Angelsachsen passt natürlich hervorragend zu einem Liederabend, dessen Gesänge „Liebe, Lust und Leid“ zum Inhalt haben. In kleiner Besetzung lässt der Chor den hoffnungslos verschossenen Jüngling seine Höllenqual zu den Sternen klagen, um nahtlos und knackig mit „Odi et amo“ Carl Orff zur gleichen Gefühlslage zu Wort und Klang kommen zu lassen.

   Mit Johannes Brahms und seinen „Sieben Liedern für gemischten Chor“ geht’s hinaus in den deutschen Wald; springlebendig auf dem Rößlein, angenehm ins Ohr gehend die „Waldesnacht“, deren süßes Rauschen dynamisch fein dosiert wird – und aufgewühlt „geht ein Wehen durch den Wald“. Die trockene Akustik des neuen Saales dämpft leider hörbar die Glanzlichter der hohen Stimmen und verhindert ein homogenes Klangbild, zumal die Sängerinnen und Sänger zwar durchmischt, jedoch in drei Reihen breit aufgestellt stehen. Das beeinträchtigt auch das Hörvergnügen bei den drei Gesängen aus Robert Schumann „Dichterliebe“ nach Versen von Heinrich Heine.

   Mit spürbarer Lust an der Freude spielen die Choristen bei Benjamin Brittens espritvoller  „Ballad of Green Boom“ (Ballade vom grünen Besenginster) mit den Textschnipseln Ping Pong. Der 1874 gestorbene Peter Cornelius liefert mit dem Chor „Liebe, dir ergeb ich mich“ einen harmonischen Ohrenschmeichler.

   Mit Eric Whitacres wirkungsvoll gemäßigt moderner  Vertonung eines hinreißenden Gedichts des 1936 von den Falangisten ermordeten  spanischen Dichters Federico Garcia Lorca setzt der Kammerchor einen innigen Schlusspunkt.  Als Zugabe erklatscht sich das Publikum das einleitend rezitierte Sonett in musikalischem Gewand, effektvoll geschneidert von dem schwedischen Komponisten und Jazzpianisten Nils Lindberg.

Wolfgang Nußbaumer      

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