Vokaler Husarenritt Empfehlung

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Egal, was Thomas Baur mit seinem KGW-Kammerchor anpackt, es klappt. Egal, was Thomas Baur mit seinem KGW-Kammerchor anpackt, es klappt. Fotos: -uss

Freier Eintritt ist ja bei den sonntäglichen Konzerten in der Ellwanger Stadtkirche ganz prima.

    Nach einem Drei-Sterne-Hörgenuss füttert man die dezent hingehaltenen Spendenkörbchen am Ausgang dafür umso großzügiger. Der Kammerchor des Kopernikus-Gymnasiums Wasseralfingen ist mit seiner stimmlichen Brillanz, mit der er sich durch schwierigste Literatur quer durch die Jahrhunderte singt, wahrlich sein Geld wert.

 

    „Bitte und Lob“ hatte der Chor sein rund eine Stunde dauerndes Programm überschrieben. Nimmt man die 15 Kompositionen als „Bitte“, kann an dieser Stelle nur noch „Lob“ folgen. Für den Gesang und die gesamte professionelle Performance. Schwarz und Rot passen optisch hervorragend zusammen. 

    Beginnend mit dem frühbarocken Heinrich Schütz und endend mit dem litauischen Komponisten und Chorleiter Vytautas Miškinis sind alle Einsätze makellos, der Klang von süßer bis dissonanter Fülle ohne jemals an Klarheit zu verlieren, die vokale Prägnanz über jeden Zweifel erhaben. Dafür müssen die jungen Sängerinnen und Sänger unter der Leitung ihres Dirigenten Thomas Baur harte Probenarbeit geleistet haben.

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    Das Hörerlebnis ist absolut professionell. Ob bei der polyphonen Meisterschaft eines Thomas Tallis („If ye love me“), dem mit seiner rhythmischen Komplexität ebenso  herausfordernden “Wie der Hirsch schreiet“ von Hugo Distler wie „Glory to God in the Highest“ des US-amerikanischen Musikpädagogen Randall Thompson oder dem als „Warm up“ gedachten temperamentvollen „Sing Alleluja, clap your Hands“ der amerikanischen Chorpädagogin Sally K. Albrecht – das knapp 40-köpfige Ensemble lässt nichts anbrennen. Blitzsauber die dynamischen Effekte, stimmliche Dominanz nur dort, wo sie sein muss im großartig austarierten Zusammenspiel der strahlenden Soprane, des bemerkenswert voluminösen Altregisters und der sonoren Fundierung der 15 Männerstimmen.

    Mit „Jesus der Retter im Seesturm“ von Siegfried Strohbach haben die KGWler noch ein rares Liedjuwel zum Glänzen gebracht. Der große alte Mann der deutschen Chorleiterriege entfesselt einen klanglichen Orkan mit sopranesken Schaumkrönchen auf den Brechern, die er nach machtvollen Tutti in einer langen Dünung zur Ruhe kommen lässt.

    Der jüngste Komponist lässt noch „Northern Lights“ ihr polares Farbenspiel unter dem barocken Himmel der Stadtkirche treiben. Als Norweger ist Ola Gjeilo prädestiniert dafür. 

    Für die Beifallswoge die über Chor und Leiter hereinschwappt, revanchieren sie sich mit dem keck schräg und temporeich arrangierten Spiritual „Joshua fit the battle of Jericho“. Das swingt sogar! 

Wolfgang Nußbaumer    

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