Groll ganz heiter Empfehlung

Der frühere Aalener Dekan Erich Haller blickt offensichtlich ohne Groll auf Groll. Der frühere Aalener Dekan Erich Haller blickt offensichtlich ohne Groll auf Groll. Fotos: -uss

Lebendig, bunt und vielfältig sind Augen und Ohren bei der Eröffnung der Ausstellung von Paul Groll in der Abtsgmünder Zehntscheuer in gleicher Weise großzügig bedient worden.

    Durch die italienische Gutelaunemusik der Brüder Orlando und Co. und die farbsatten großen und kleinen Bilder des Malers aus Lauchheim.

   Als einen der wichtigsten Künstler der Region und darüber hinaus hatte Bürgermeister Armin Kiemel den ehemaligen Kunsterzieher gewürdigt. Die Besucherresonanz hat ihm Recht gegeben. Fast 200 Gäste, unter ihnen viele Rotarierfreunde Grolls,  drängten sich in der heimeligen Scheuer zwischen den Malstücken und plastischen Arbeiten.

Paul Groll.jpg

   Eine Augenweide, auf der keine Verstimmung der Geschmacksnerven droht. Einzig die Mittelformate in Mischtechnik, in denen Groll die Flucht aus Afrika über das Mittelmeer thematisiert (z.B. „Eine Seefahrt, die nicht lustig“), gießen einige Tropfen Bitterkeit in die fantasievollen Bilderzählungen. Man muss jedoch selbst genügend Fantasie mitbringen, um sich diesen „Kosmos aus visuellen Angeboten“, wie die Vernissagerednerin Dr. Sabine Heilig das gezeigte Werk einordnet, auch nur annähernd erschließen zu können.

    Aus der von linearen Elementen nur mühsam in Zaum gehaltenen frühlingsbunten Blumenwiese der Farbflächen erheben sich dreifingrige Hände, Köpfe und andere „anthropomorphe Versatzstücke“ (Heilig). In ihrer Summe zitieren sie wichtige Topoi der Kunstgeschichte, auf deren Schultern Paul Groll mit unbeschwertem, doch festem Griff die Fahne barocker Opulenz hochhält. Ganz konkret in der kleinen Serie „Infantin“, der Tuschezeichnung „Menina“, in der er mit der spanischen  Bezeichnung für ein Hoffräulein und dem Namen einer griechischen Ortschaft spielt, aus der im 2. Weltkrieg Partisanen die deutschen Besatzer vertrieben haben; und ganz unübersehbar mit dem Ölgemälde „Margarete trägt grün“, mit dem er dem Renaissancemaler Diego Velázquez seine Reverenz erweist.

Sabine Heilig.jpg

   Das alles in seiner ganz typischen Fleckerlteppichhandschrift, der Sabine Heilig einen enorm hohen Wiedererkennungswert zumisst. Weil drei entscheidende Charakteristika sie prägen: die Naivität als Ausdruck einer völlig unbeschwerten und daher authentischen Herangehensweise; die Subjektivität, weil Bild und Schöpfer im Einklang sind – und die Fabulierkunst. Wenn man denkt, man sei ihm auf die Schliche gekommen, schlägt Groll eine Volte ganz im Sinne des Ausstellungstitels: „mal so – mal so“.

   Info: Die Ausstellung ist bis 22. April samstags von 14-17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11-17 Uhr geöffnet.  

 

Wolfgang Nußbaumer  

Nach oben