Kunstvolle "Augenblicke"

Gut gelaunt bei der Kunstbetrachtung der Bildhauer Siegfried Luffler, der Fotograf Frank Keller, Cornelia Binswanger und Wolfgang Nußbaumer. Gut gelaunt bei der Kunstbetrachtung der Bildhauer Siegfried Luffler, der Fotograf Frank Keller, Cornelia Binswanger und Wolfgang Nußbaumer. Fotos: Benedikt Walther

Im Ärztehaus Ellwangen sind bis 31. März Fotografien von Frank Keller und Objekte aus Holz von Siegfried Luffler zu sehen.

   Momente, Menschen und Minimalismus: Fotografien und Skulpturen kombiniert in einer Ausstellung – passt das? Im Falle von Frank Kellers Bildern und Siegfried Lufflers Objekten aus Holz – festgehaltene Alltagssituationen – ergänzt sich das gut. Nun präsentiert das Duo seine Werke unter dem Titel „Augenblicke“ im Ärztehaus gegenüber vom Bahnhof.

    "Es ist wichtig, dass sich die Menschen hier wohlfühlen“, begrüßt Cornelia Binswanger von der Brillenwerkstatt das Zustandekommen der Ausstellung im Ärztezentrum. Laudator Wolfgang Nußbaumer gibt zu, dass es schwierig sein könnte, die beiden Männer mit den unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen unter einen rednerischen Hut zu bringen. „Die einfachste Weise, den Fotografen und den Bildhauer zusammenzubringen wäre: Man nehme ein großes Fotoposter von Frank Keller, wenn möglich abstrakt, und schlage die Skulptur von Siegfried Luffler sorgfältig darin ein“, schlägt er humorvoll vor.

    Weitaus ausführlicher fächert Nußbaumer seine subjektive Sicht auf die Arbeit der beiden Künstler auf. Keller beschreibt er als den Fotografen, der im Hintergrund bleibt, der den Moment der Aufnahmen geduldig abwartet. „Frank Kellers Bilder leben, sie erzählen vom Leben, man kann sie erleben – und wenn man will, verraten sie ein wenig von ihrem Urheber als ein Leben in Bildern. Denn er will Menschen so zeigen, wie er sie sieht“.

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Aus Fichtenholz hat Siegfried Luffler den "Jungen Mann" geschnitzt, der auf Frank Kellers Aufnahmen aufpasst.

 

   Doch Keller steht nicht nur hinter der Linse, um Alltagssituationen einzufrieren. Mithilfe einer Drohne schaut er auf die Welt von oben herab. „Landschaft offenbart sich als geometrisch strukturierte Farbfeldmalerei. Eine Momentaufnahme von Dauer“. Kellers Schlüsselbegriffe seien hier Reduktion, Klarheit und der Zauber des Lichts.

   Reduktion findet man auch in Siegfried Lufflers Skulpturen aus Holz – häufig verwendet er Altholz. Der gelernte Bauzeichner würde bei seinen Werken auf weniger klassische Motive zurückgreifen: „Wir begegnen einer Frau auf Shoppingtour, einem Spaziergänger, treffen wiederholt auf Wartende“, so der Laudator. Auf dem Weg durch das Treppenhaus nach oben trifft man auf die „wellness“. Die nackte Blondine hält sich ein grünes Tuch vor den ranken Leib. Was mag da wohl der „Denker“ auf der anderen Seite denken? Gerade die Details wie das grüne Tuch geben den Skulpturen den entscheidenden „Kick“. Exemplarisch in seinen „Technogonen“, Gestalten aus altem Holz und technischen Fundstücken. Der Bildhauer aus Ilshofen erweist sich in seinen Holzarbeiten, in denen er einfallsreich mit dem Größenverhältnis von Figur und Sockel spielt, selbst als knitzer Querdenker. Auch Luffler bringt Geduld für seine Werke auf, die er teils aus einem einzigen Stück Holz fertigt.

    Wolfgang Nußbaumer sieht eine Annäherung des Denkens und Handelns der Künstler oder, um es in seinen Worten zu sagen: „Wie sich die zweite mit der dritten Dimension verbündet.“ Und so ist es auch. Keller und Luffler schaffen es, einen lebendigen Moment einzufrieren. Der eine in Holz, der andere auf Fotoleinwand- und Papier.

   Info: Die Ausstellung mit Arbeiten von Frank Keller und Siegfried Luffler ist bis zum 31. März zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18.30 Uhr und Samstag 8.30 bis 12.30 Uhr.

 

bw

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