Wo die Saiten glühen Empfehlung

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Schweizer Power auf schwäbischer Bühne - die "Mozart Heroes". Schweizer Power auf schwäbischer Bühne - die "Mozart Heroes". Foto: Stefanie Ossig, Gde. Abtsgmünd

Unter dem Motto „On fire“ steht die letzte – und wieder ausverkaufte - Veranstaltung des Jahres in der Zehntscheuer.

    Heiß her geht es tatsächlich mit den „Mozart Heroes“, die Abtsgmünds rührige Kulturreferentin Stefanie Ossig ins Kochertal geholt hat. Die beiden Schweizer Christian Krebs und Philipp Seethaler mischen mit Cello und Gitarre ihr Publikum auf. Klassische Musik für Rockfans.

   Sie spielen gerne mit Gegensätzen. Bis hinein in die Kleiderordnung. Krebs gibt mit Nietenjacke und Rauschebart den Altrocker. Hätte er noch einen Stetson auf, könnte er – fast – als Zwillingsbruder von ZZ Top-Sänger Billy Gibbons durchgehen.  Geschniegelt und gebügelt lässt dagegen der ganz auf seriös getrimmte Philipp Seethaler den Bogen über die Saiten seines Cellos schmeicheln und zischen.

   Im Zusammenspiel kommen sich die beiden Schweizer allerdings sehr nahe. Sie verstehen sich blind, spielen mit Melodien Pingpong, betten sie in süffige Akkorde. Der „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ des venezianischen Gottesmannes und Teufelsgeigers Vivaldi fällt mit Blitz und Donner über die hingerissen lauschenden Besucherinnen und Besucher her.

   „Wir sind eine Rockband“, behauptet Cellist Seethaler im Brustton der Überzeugung. Wäre da nicht dieses kleine Augenzwinkern des Mannes, der ganz bescheiden meint, er sehe trotz Mozart im Namen eher wie Beethoven aus.  Kumpel Krebs schnallt sich derweil für dieses eine Mal eine E-Gitarre um. Er muss mit allen über die Maßen gelenkigen Finger das Klischee vom unter vollem Adrenalinschub stehen Rockgitarristen bedienen. Was ihm mit dem AC/DC-Hit „Thunderstruck“ trefflich gelingt. Und Seethaler sägt brachial, dass die Rosshaare seines Bogens schlapp machen.

   Mit einer anderen Hardrock-Ikone erklimmen die beiden den Gipfel des Vergnügens an diesem Abend. Sie mixen mit starker perkussiver Würzung Metallicas „Enter Sandman“ mit Mozarts 40. Symphonie. Wobei sie sich, wie noch bei anderen Stücken, akustische Füllhilfe aus der Konserve holen. Das Publikum  lässt die flotten Schweizer nach dieser fulminanten musikalischen Achterbahn nicht ohne einen Zugabenblock von der Bühne.

Wolfgang Nußbaumer 

        

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