Harmonisches Miteinander Empfehlung

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Walter Johannes Beck hat das Geschehen sicher im Griff. Walter Johannes Beck hat das Geschehen sicher im Griff. Fotos: -uss

Die Ellwanger Musikschule hat gerufen – und alle sind gekommen.

   Die Bankreihen der Basilika waren jedenfalls am Sonntagnachmittag beim Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen stark besetzt. Ebenso stark wie die Phalanx der Sängerinnen und Sänger und des Orchesters, die unter dem federnden Dirigat von Walter Johannes Beck auf und zu Füßen der zum Altar hinaufführenden Treppe mit einer melodienseligen Hommage dem Namensgeber der Schule ihre Reverenz erwiesen hat.

   Zum Warmmachen hat dem versierten Chorleiter und Organisten aus Schwäbisch Gmünd das „Te Deum op. 16“ gedient. Die vier Stücke, darunter ein Tenorsolo, signalisieren, dass gefällige, entspannte Melodien und Harmonien folgen werden; intoniert mit beachtlicher Klangkultur von einem stattlichen Projektchor und einem ausbalanciert musizierenden Orchester.

   Diese Erwartung bestätigt die „Missa solemnis op. 6/1“ ohne Abstriche. Der Stiftsorganist und Kantor, der von 1747 bis 1824 gelebt hat, hat diese Messe ausdrücklich als „solennis“, als besonders feierlich bezeichnet. Deswegen hat er auch nicht an „tutti“ und „forte“ gespart. Nur selten unterbrechen Pianopassagen den drängenden Fluss des Messgesangs. Wie die Altistin Anne Greiling mit der innig-schönen Arie „Et incarnatus est“ im „Credo“.

   Ein weiteres vokales Glanzstück poliert die überragende Sopranistin Judith Wiesebrock mit dem „Pleni sunt coeli“ des „Sanctus“ auf. Ihre strahlende Stimmfülle, die selbst in höchster Höhe nicht zittert, macht die Koloratur am Ende des „Benedictus“ zu einem kostbaren Hörerlebnis.

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Gut bei Stimme war das Solistenquartett mit (v.l.) Judith Wiesebrock, Anne Greiling, Alexej Shestov und Stefan Boschert.

 

   Bevor die Sopranistin jedoch zu ihrem Höhenflug ansetzen kann, muss sie einen Fehlstart hinnehmen. Dirigent, Organist Thomas Petersen und die Hornistin Johanna Ebert hatten ein Kommunikationsproblem. Souverän und fast heiter winkt der alte Fahrensmann Beck ab und lässt die Musici erneut von der Leine. Diesmal haben alle aufgepasst. Allerdings macht es Dreyer den Akteuren auch nicht allzu schwer. Was herausfordernde dynamische Steigerungen, würzige Dissonanzen und Tempowechsel betrifft, gibt sich die Partitur sehr gelassen.

   Im „Benedictus“ hat auch für den Bariton Stefan Boschert sein Dasein als Bankdrücker ein Ende. Man freut sich über seine schlanke und dennoch ausreichend voluminöse Stimme, wie man zuvor schon mit dem biegsamen Tenor Alexej Shestov zufrieden sein durfte.

   Mit einem erhebend von Chor und Orchester ausgesungenen „Dona nobis pacem“, das nochmals als Dankeschön für den herzlichen Beifall erklingt, endet die festliche Musik. Walter Johannes Beck darf entspannt und versonnen an einer der Rosen schnuppern, die ihm, den Gesangssolisten und den Mitgliedern des Ellwanger Kammerensembles überreicht werden.

   Zu Beginn hatten Hausherr Pfarrer Windisch und Oberbürgermeister Karl Hilsenbek an den Komponisten erinnert und der Musikschule gedankt.

Wolfgang Nußbaumer       

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