Bläser die wie Geiger klingen

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Bläser die wie Geiger klingen Foto: -uss

Ouvertüren - und kein Ende in Sicht. Zwangsläufig. Sonst wären es ja keine Spieleröffnungen.

   Im Schach könnte man sagen: Alles richtig gemacht. Nur matt gesetzt hat das Tübinger Saxophon-Ensemble mit seinem Konzert in der Ellwanger Stadtkirche niemand in der stattlichen Gästeschar. Im Gegenteil.

   Unter der unaufgeregt präzisen Leitung des gebürtigen Briten Harry D. Bath haben die von einem Schlagwerker und einem Geiger unterstützten 16 Bläser ganz im Sinne des Erfinders ihres Instruments, Adolphe Sax, ihre Hörner „als den Streichinstrumenten ähnlich“ bedient.

   Das klappt schon deswegen tadellos, weil sich in diesem Ensemble Könner- mit Leidenschaft hörbar paart. Nichts klingt hier „trötig“; schließt man die Augen, hat man tatsächlich die Illusion einer mit einer Vielzahl von unterschiedlichem Holz- und Metallgerät bestückten Bläserschar.Zwitschert da nicht eine Klarinette, näselt eine Oboe und meldet sich eine Tuba aus Grabestiefe zu Wort?

   Lukas Fischer, der so launig wie kenntnisreich durch das vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reichende Programm führt („der Beethoven hat einen guten Job gemacht“), fabuliert zu Beginn über „die Jahrhunderte alte Feindschaft zwischen Violine und Saxophon“. Seine Hoffnung: Es möge gelingen, sie in Harmonie zu beenden.

   Natürlich hat’s geklappt. Ganz konkret in der von Thomas Krause arrangierten „Romanze F-Dur für Violine und Orchester op. 50“. Überhört man die kleinen Intonationswackler zu Beginn, hat der junge Moritz Pfister mit seinem beseelt-anmutigen Spiel tatsächlich den Bogen ’raus. Und die Hörnerphalanx gibt sich ganz zart besaitet.

   Was sonst noch geschehen ist zwischen Händels „Wassermusik“ als Auftakt und Gershwins im starken Nachhall der Kirche zu einer – allerdings habhaften – Klangemulsion verschmelzenden „Cuban Overture“? Jene zu Mozarts „Zauberflöte“, zu Gioachino Rossinis „L’Italiana in Algeri“, zu Michail Glinkas „Russlan und Ludmilla“, zu Richard Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ und zur „Fledermaus“ von Johann Strauss, Sohn. Letztere als ein exquisites und extrem klangfarbenreiches Schmankerl der leichtfüßige Gegensatz zum mächtigen Wagner mit seinem berühmten choralartigen Motiv.

   Für den reichen Beifall bedankt sich das Ensemble mit einem reichlich akademisch intonierten irischen Tanz.

Wolfgang Nußbaumer  

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