Gezeichnetes Welttheater Empfehlung

"Sein und Sinn" "Sein und Sinn"

„Ernst ist die Kunst, heiter das Leben“, hat der Künstler Uwe Ernst seine aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie Ehingen überschrieben.

   „Spaßgesellschaft“ lautet der Titel einer seiner grandiosen Zeichnungen. Mit doppelbödig sind seine Werke nur unzureichend charakterisiert. Deren Inhalte konterkarieren die Überschriften mit bedrängend rätselhaften Bilderzählungen. Sie sind noch bis 15. November zu sehen.

   Viele der klein- bis großformatigen Kohlezeichnungen aus fast 20 Jahren prägt ein signifikanter malerischer Duktus. Da er sich jedoch ausschließlich zwischen dem gedeckten Weiß der Leinwand und tiefstem Schwarz bewegt, erhalten die Blätter eine pointierte Direktheit, der man sich kaum entziehen kann. „Austariert bis ins kleinste Detail“, wie Clemens Ottnad in seiner Einführung schwärmt. Getragen von einem „nachtschwarzen Humor an der Kippstelle zur Beschreibung bitterer Wirklichkeit.“ Seine Empfindung, dass diese Bilder mit ihren Linien, die immer wieder außer Rand und Band zu geraten scheinen, einen in Bestürzung stürzen, teilen wohl viele der Vernissagegäste. 

   Uwe Ernst blickt skeptisch auf die Welt. Wie in dem neuen Großformat „Sein und Sinn“. Der Geschäftsführer des Künstlerbundes Baden-Württemberg interpretiert es als Selbstporträt. Der Regisseur eines „großen neuzeitlichen Welttheaters“? Dieser Künstler ist beides, Autor und Inszenator. Er lässt vom Schnürboden aus die Puppen tanzen – und ist zugleich mitten unter ihnen. 

   Ob er tatsächlich die „Lust am Untergang“ im Sinn hat, wie der österreichische Autor Thomas Bernhard? Zu dessen Dramen sieht Ottnad Parallelen. Mag sein, doch die Poetik des Uwe Ernst hat in ihrem zeichnerischen Versmaß zu viel lustvolle Widerborstigkeit implantiert, als dass man ihn als Endzeit-Protagonisten proklamieren könnte. „Apokalyptische Züge“ schon, in der Summe jedoch ein bissiges „Ja“ zum Leben mit all seinen Rankünen und Unzulänglichkeiten des Allzumenschlichen. 

 -uss

   Info: Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Ehingen ist bis 15. November Mi., Sa. und So. 14-17 Uhr geöffnet; www.galerie-ehingen.de

 

       

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